Einweg vs Mehrweg in der Logistik
Nachhaltigkeit

Einweg vs. Mehrweg in der Logistik: der faktenbasierte Vergleich

Die Diskussion um Einweg- und Mehrwegverpackungen ist längst keine reine Umweltdebatte mehr – sie ist zu einer strategischen Frage für Unternehmen geworden. Mit neuen regulatorischen Anforderungen wie der PPWR und steigenden Erwartungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft rückt vor allem eines in den Fokus: Welche Lösung ist langfristig wirklich effizient, ökologisch und wirtschaftlich? Dieser Beitrag zeigt anhand aktueller Studien des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) sowie von Fraunhofer UMSICHT, worauf es im Vergleich zwischen Einweg und Mehrweg wirklich ankommt.

Einweg vs. Mehrweg oder „Recycling vs. Wiederverwendung“

Auf den ersten Blick erscheinen Einwegverpackungen aus Papier oder Karton vielen als umweltfreundlicher als Kunststoff-Mehrwegboxen. Würde man beide Systeme nur einmal nutzen, wäre diese Annahme durchaus richtig.

 

In der Logistik ist jedoch genau das nicht der Fall. Der entscheidende Unterschied liegt im System:

  • Einweg basiert auf einmaliger Nutzung und anschließendem Recycling.
  • Mehrweg setzt auf Wiederverwendung mit Rückführung, Reinigung und erneuter Nutzung.

 

Während Einweg den Stofferhalt (Recycling) fokussiert, ermöglicht Mehrweg zusätzlich den Formerhalt (Wiederverwendung). Mehrwegprodukte wie WALTHER-Faltboxen sind dabei vollständig recycelbar – der Unterschied liegt darin, dass dieses Recycling erst nach rund 200 Umläufen erfolgt. Genau das macht Mehrweg zu einem zentralen Baustein funktionierender Kreislaufwirtschaft.

Energie- und Ressourcenverbrauch: Mehrweg im Vorteil

Aber schauen wir uns die Zahlen doch einmal genauer an. Ein häufiges Argument gegen Mehrweg ist der vermeintlich hohe Ressourcenverbrauch für Reinigung und Rückführung. Die „Reuse vs. Recycle“-Studie von Fraunhofer UMSICHT zeigt jedoch ein anderes Bild.

 

Einwegverpackungen aus Pappe, Papier oder Karton (PPK) müssen nach jeder Nutzung gesammelt, sortiert, aufbereitet und recycelt werden. Dieser Prozess ist energie- und wasserintensiv. Im Vergleich dazu benötigt die Reinigung von Mehrwegboxen nur etwa 20 % der Energie und des Frischwassers eines entsprechenden Einwegsystems.

 

Der entscheidende Punkt: Während Einwegverpackungen immer wieder neu in den Kreislauf eingebracht werden müssen, verteilt sich der Ressourcenaufwand bei Mehrweg auf viele Umläufe.

Vergleich des Energie- und Wasserverbrauchs bei Einweg- und Mehrwegboxen

Zirkularität: Warum Recycling allein nicht ausreicht

Kreislaufverluste von Einweg- und Mehrwegverpackungen

Ein weiterer oft unterschätzter Faktor ist die tatsächliche Kreislaufführung. Die Realität zeigt laut der Fraunhofer-Studie „Reuse vs. Recycle“: Die Verluste beim Sammeln, Sortieren und Recyceln von PPK variieren stark und liegen je nach System zwischen 17 und 100 Prozent. Mehrwegboxen schneiden hier deutlich besser ab: Ihre Verluste bleiben mit maximal 3 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau. Zudem nimmt die Materialqualität bei Recyclingprozessen mit jedem Zyklus ab. Insbesondere bei Verpackungen mit Lebensmittelkontakt ist eine Rückführung in gleichwertige Anwendungen oft nicht möglich.

 

Mehrweg hält Materialien somit deutlich länger und effizienter im Kreislauf.

CO₂-Bilanz: Entscheidend ist die richtige Anwendung

Neben Energie- und Ressourcenverbrauch rückt zunehmend auch die CO₂-Bilanz in den Fokus unternehmerischer Entscheidungen. Dabei zeigt sich: Eine pauschale Bewertung von Einweg- oder Mehrwegsystemen ist nicht zielführend – denn die tatsächlichen Emissionen hängen stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab.

 

Zu den zentralen Einflussfaktoren zählen unter anderem:

  • Transportdistanzen (insbesondere für den Rücktransport von Leergut)
  • Umlaufzahlen der Mehrwegbehälter
  • Auslastung der Transporte
  • Produktgewicht bzw. Materialeinsatz (sowohl in der Herstellung als auch im Transport)
  • Prozessgestaltung entlang der gesamten Lieferkette

Der große Vorteil von Mehrweg-Ladungsträgern: Die einmaligen Emissionen der Rohstoffgewinnung, der Produktion, der vorgelagerten Transporte sowie des Recyclings verteilen sich auf viele Umläufe. Einwegverpackungen verursachen diese Emissionen hingegen bei jeder Nutzung erneut. Mit steigender Umlaufzahl sinken somit die Emissionen pro Einsatz deutlich. Die Faltboxen der WALTHER Faltbox Group sind bei korrekter Anwendung auf rund 200 Umläufe ausgelegt – in der Praxis oft sogar darüber hinaus.

 

Gleichzeitig entstehen bei Mehrwegsystemen zusätzliche Emissionen durch den Rücktransport von Leergut. Je länger diese Distanzen sind, desto stärker wirkt sich das auf die CO₂-Bilanz aus. In Szenarien mit sehr langen Rückführungswegen kann ein Einwegsystem daher im Einzelfall Vorteile haben.

Ein vereinfachtes Beispiel: Bei kurzen Transportdistanzen und hoher Umlaufzahl zeigt Mehrweg klare CO₂-Vorteile. Steigen jedoch die Rücktransportdistanzen deutlich an und bleiben die Umläufe gering, verringert sich dieser Vorteil oder kann sich im Extremfall umkehren. 

 

Ansätze wie volumenreduzierbare Ladungsträger – etwa faltbare Boxen – oder effizient organisierte Poolsysteme helfen, diesen Effekt zu minimieren. Der WALTHER CO₂-Rechner unterstützt dabei, die Emissionsunterschiede zwischen Einweg- und Mehrwegsystemen transparent zu machen und gibt eine erste Orientierung. Im Beispiel rechts haben wir exemplarisch die CO₂-Bilanz von 100 Faltboxen 600 x 400 x 220 mm der Greenline-Variante bei einem Transport von 1.000 Kilometern berechnet. Je nach Produkt, Menge und Entfernung varriert das Ergebnis.

Co2-Rechner Beispielrechnung

Praxis in der Logistik: Bruchraten und Produktverluste

Bruchquoten von Einweg- und Mehrwegverpackungen

Neben ökologischen Aspekten spielt auch die Praxistauglichkeit eine entscheidende Rolle bei der Frage „Einweg oder Mehrweg“. Die Studie „Bruchquote von Einweg- und Mehrwegsteigen im Obst-/Gemüsesortiment“ des Fraunhofer IML zeigt klare Unterstudie: Mehrwegboxen haben im Zentrallager eine Bruchrate von lediglich 0,01 Prozent haben, Einwegkartons sind mit 0,22 Prozent deutlich höher. In der Filiale liegen die Zahlen bei Mehrweg mit 0,10 Prozent und Einweg mit 1,69 Prozent noch höher. Ergebnis: Einwegverpackungen brechen bis zu 26-mal häufiger als Mehrwegbehälter.

 

 

Und das hat Auswirkungen auf die Warenverluste. Bei beschädigten Einwegverpackungen gehen in den Geschäften 20–30 Prozent der Produkte verloren, bei Mehrweg-Transportbehältern sind es lediglich 5-10 Prozent. Damit liegt die Anzahl beschädigter Produkte durch defekte Einwegverpackungen drei bis viermal höher, als wenn diese in Mehrwegboxen transportiert werden. Die Verpackung beeinflusst somit direkt die Effizienz der gesamten Lieferkette.

Der entscheidende Erfolgsfaktor: das System

Mehrweg ist kein Selbstläufer. Der Nutzen hängt stark von der Umsetzung ab.

Erfolgsentscheidend sind:

  1. Umlaufzahlen: Je häufiger ein Ladungsträger genutzt wird, desto besser die Bilanz. WALTHER-Faltboxen sind rund 200 Umläufe im Einsatz.
  2. Rückführung: Ohne funktionierende Rückführlogistik verringert Mehrweg seinen Vorteil.
  3. Prozessintegration: Ein gutes Mehrwegsystem hat standardisierte Abläufe, digitale Kennzeichnungsmöglichkeiten und klare Verantwortlichkeiten.

Wir sehen: Das Produkt ist nur so gut wie das System dahinter.

Regulierung: Warum Mehrweg an Bedeutung gewinnt

Die EU-Verordnung PPWR verschärft die Anforderungen an Verpackungen deutlich. Unternehmen müssen sich auf steigende Mehrwegquoten, strengere Anforderungen an Recyclingfähigkeit und eine konsequente Reduktion von Verpackungsabfällen einstellen.

 

Gleichzeitig zeigen Studien, dass Einwegsysteme strukturelle Nachteile in der Kreislaufführung haben. Geschlossene Materialkreisläufe sind häufig nur eingeschränkt realisierbar.

Mehrwegsysteme erfüllen viele dieser Anforderungen bereits heute systembedingt.

Fazit: Mehrweg ist die logische Weiterentwicklung der Logistik

Einwegverpackungen sind einfach in der Handhabung, stoßen jedoch systemisch an ihre Grenzen. Mehrweg-Systeme sind komplexer in der Umsetzung, bieten dafür aber deutlich höhere Effizienzpotenziale – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer langfristig Kosten senken, Ressourcen schonen und Emissionen reduzieren möchte, kommt an funktionierenden Mehrwegsystemen nicht vorbei.

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